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Grundprinzipien der Adipositaschirurgie

Es gibt verschiedene Operationsverfahren, die nach sehr verschiedenen Prinzipien funktionieren. Für eine erfolgreiche Gewichtsreduktion ist es ganz entscheidend, dass wir für Sie sorgfältig das richtige Verfahren auswählen. Wir möchten Ihnen die gängigsten Methoden vorstellen.

Die verschiedenen Operationsverfahren der Adipositaschirurgie basieren im Wesentlichen auf folgenden Prinzipien: 

  • Restriktion (z. B. Magenband, Schlauchmagen)
        o Reduzierung der festen Nahrungsmenge, die auf
           einmal aufgenommen werden kann.
        o Das Sättigungsgefühl tritt schnell ein und hält länger
           an.
  • Malabsorption (z. B. biliopankreatische Diversion)
        o Durch verschiedene Maßnahmen kann nur noch ein
           Teil der zugeführten Nahrung vom Körper 
           aufgenommen werden, es kommt zu einer
           mangelhaften Aufnahme der Nahrung.
        o Der Körper kann nur noch einen Teil der
           zugeführten Kalorien verwerten und in Form von Fett
           speichern.
  • Kombination von Malabsorption und Restriktion (z. B. Magenbypass)

Alle bariatrischen Operationen werden in der Regel minimal-invasiv durchgeführt. Bei einem minimal-invasiven Eingriff führt der Chirurg über kleine Schnitte in der Bauchwand feine, stabförmige chirurgische Instrumente ein. Es wird auch eine kleine Videokamera in den Bauch eingeführt, die das Operationsfeld auf einem Bildschirm darstellt. Der Vorteil dieser minimal-invasiven Methode ist, dass die Schmerzen nach der Operation auf ein Minimum reduziert werden, ebenso wird das Wundinfekt- sowie das Narbenbruchrisiko reduziert. Die Patientinnen und Patienten erholen sich zudem schneller von der Operation und können schon nach wenigen Tagen wieder in ihren gewohnten Alltag zurückkehren.

Minimal-invasive Magenbandoperation

Wie funktioniert das Magenband?
Bei der Magenband-Operation (Gastric-Banding) wird minimal-invasiv (Schlüssellochtechnik) ein verstellbares Silikonband von außen um den oberen Anteil des Magens gelegt. Damit wird der Magen im oberen Drittel eingeengt und ein kleiner Vormagen gebildet. Bei der Aufnahme von Nahrung füllt sich der Vormagen und es tritt sofort ein Sättigungsgefühl ein. Der Durchtritt vom kleinen Vormagen zum großen Restmagen wird durch das Magenband eingeengt. Dadurch verzögert sich der Übertritt der Speise in den Restmagen und das Sättigungsgefühl hält längere Zeit an. Die Weite des Magenbandes und somit die Verzögerung der Nahrungspassage kann von außen reguliert werden, indem Flüssigkeit in ein unter der Haut liegendes Portsystem gefüllt wird, das wiederum über einen Silikonschlauch mit dem aufblasbaren Magenband in Verbindung steht.

Wie erfolgreich ist das Magenband?
Durch das schnell einsetzende Sättigungsgefühl wird eine Umstellung des Essverhaltens wirkungsvoll unterstützt und Sie können rasch viel Gewicht verlieren und wieder Sport treiben. Voraussetzung für eine langfristige Gewichtsreduktion ist jedoch die Umstellung der Ernährung auf gesunde Lebensmittel. Wieviel Gewicht Sie verlieren, hängt ganz wesentlich davon ab, wie konsequent Sie Ihr neues und gesundes Essverhalten beibehalten. Bei sehr hoher Motivation können Patientinnen und Patienten mit einem Magenband 45-55% ihres Übergewichts verlieren.

Nachteil: Die Patientinnen und Patienten können die Wirkung des Magenbandes aktiv aufheben, indem sie kalorienreiche Getränke (Cola, Limonade, Ahornsirup u. a.) und verflüssigte hochkalorische Nahrungsmittel (Speiseeis, Schokolade u. a.) in großen Mengen zu sich nehmen. Flüssigkeiten können nämlich die Engstelle im Magen widerstandslos passieren.

Bei unvorhergesehenen medizinischen Problemen oder wenn die Therapie wegen einer vorsätzlichen Fehlernährung fehlgeschlagen ist, kann das Magenband operativ wieder entfernt werden.

Nachsorge
Nach der Magenbandoperation ist eine lebenslange Nachbetreuung erforderlich. Gemäß den Leitlinien der Fachgesellschaften sind drei Monate nach der Operation, im Weiteren alle 6 Monate, später jährlich Nachsorgeuntersuchungen notwendig.

Minimal-invasiver Magenbypass

Wie funktioniert der Magenbypass?
Dieser minimal-invasiv (laparoskopisch) durchgeführte Eingriff wird auch Roux-en-Y Magenbypass oder kurz RNY-Magenbypass genannt. Das Hauptmerkmal ist ein kleinvolumiger oberer Magenanteil (Pouch), der vom Restmagen abgetrennt und direkt mit dem Dünndarm verbunden wird. Infolge dessen wird das Magenvolumen, das den Speisebrei aufnehmen kann, deutlich verkleinert. Außerdem wird der Speisebrei unter Umgehung des großen Restmagens, des Zwölffingerdarms und eines etwa 50 cm langen Dünndarmanteils direkt in den Dünndarm eingeleitet. Damit steht nur noch ein Anteil des Magendarmtrakts zur Nahrungsaufnahme zur Verfügung. Verdauungssäfte, die in den Zwölffingerdarm ausgeschieden werden, werden etwa 120-150 cm unterhalb des kleinen Magenanteils in den Dünndarm eingeleitet, wo sie sich erstmals mit dem Speisebrei vermischen können. Damit wird auch die Verdauung der zugeführten Nahrung qualitativ beeinträchtigt und die Kalorienaufnahme in den Körper verringert.

Wie erfolgreich ist der Magenbypass?
Die Effektivität dieses Verfahrens ist – wie beim Magenband auch – in unseren Händen sehr hoch und durch Studien in der Fachliteratur eindeutig belegt. Bei sehr hoher Motivation können Patientinnen und Patienten mit Magenbypass etwa 60-70% ihres Übergewichts abbauen, also sogar noch mehr als mit dem Magenband. Zudem ist erfreulicherweise zu beobachten, dass bei vielen Patientinnen und Patienten der Typ 2-Diabetes sofort verschwindet. 82% der diabetischen Patientinnen und Patienten können ihre Medikation (Insulin, Antidiabetika) nach 3 Monaten einstellen.

Allerdings muss festgehalten werden, dass der Magenbypass im Vergleich zum Magenband einen deutlich aufwendigeren Eingriff mit einer höheren Komplikationsrate darstellt. Zudem kann die eingeschränkte Nahrungsverwertung auch dazu führen, dass wichtige Spurenelemente und Vitamine schlechter aufgenommen werden. In einem solchen Fall müssen diese Stoffe lebenslang zusätzlich in Form von Tabletten eingenommen werden.

Nachsorge
Wie schon angedeutet müssen Patientinnen und Patienten mit einem Magenbypass lebenslang bestimmte Vitamine, Eisen, Mineralstoffe und Spurenelemente zusätzlich zur Nahrung zuführen. Im Rahmen einer systematischen Nachsorge werden die Vitamine D und B12 regelmäßig im Blut kontrolliert und gegebenenfalls medikamentös ergänzt. Auch Calcium muss in Tablettenform zugeführt werden, da sonst das Osteoporoserisiko hoch ist.

Minimal-invasive Schlauchmagenbildung

Wie funktioniert der Schlauchmagen?
Die Bildung eines Schlauchmagens (Sleeve Gastrectomy, vertikale Gastrektomie) bedeutet, dass das Magenvolumen verkleinert wird, indem der Magen der Länge nach geteilt und ein Großteil entfernt wird. Dieser Eingriff ist somit nicht mehr rückgängig zu machen. Das Wirkprinzip ist also dem Magenband sehr ähnlich, nämlich die Reduzierung der festen Nahrungsmenge, die auf einmal aufgenommen werden kann. In dem Magenanteil, der entfernt wird, wird das „Hungerhormon“ Ghrelin hergestellt. Dadurch wird dieses Hormon weniger gebildet und Hungerattacken werden seltener und schwächer. Vorteil ist, das die Funktion des Magens für eine physiologische Nahrungspassage erhalten bleibt.

Wie erfolgreich ist der Schlauchmagen?
Durch die Schlauchmagenbildung kommt es zu einem schnellen Gewichtsverlust, jedoch geringer als beim Magenbypass. Bei Patientinnen und Patienten mit hohem operativen Risiko und morbider Adipositas ist die minimal-invasive Schlauchmagenbildung häufig der erste Schritt zur Gewichtsreduktion, bevor zu einem späteren Zeitpunkt unter dann günstigeren Bedingungen ein Magenbypass in Betracht gezogen werden kann. Von Vorteil ist, dass die Aufnahme von Spurenelementen und Vitaminen nicht beeinträchtigt ist. Dennoch wird derzeit die tägliche Einnahme eines Kombinationspräparates mit Vitaminen und Spurenelementen nach der Operation für einige Zeit empfohlen.

Wie beim Magenband auch, hängt das Ausmaß der Gewichtsreduktion stark von der Motivation der Patientinnen und Patienten zur Einhaltung von Ernährungsregeln ab. Bei Diätfehlern kann es zu einer Ausweitung des Schlauchmagens kommen und damit die Wirksamkeit des Eingriffs herabsetzen.

Nachsorge
Nach einer Schlauchmagenbildung ist eine lebenslange Nachsorge in bestimmten Intervallen erforderlich. Wir bestellen Sie dafür zu regelmäßigen Kontrolluntersuchungen ein.